Familie/Schule/Universität

Herkunft und Kindheit

Der Vater war Berthold Müller-Oerlinghausen ( 1893-1979), Bildhauer und, wie der Name andeutet, aus dem bei Bielefeld gelegenen Städtchen Oerlinghausen stammend. Die Väter und Großväter waren Textilkaufleute, Künstler gab es zuvor nicht in der Familie.

Der Großvater Carl David Weber hatte die in ihren guten Zeiten sehr bekannte Leinenweberei CeWeCo gegründet. Der Großonkel des Bildhauers war der bekannte Soziologe Max Weber.

Berthold Müller-Oerlinghausen war in erster Ehe mit Jenny Wiegmann, ebenfalls Bildhauerin , verheiratet. Sie waren künstlerisch sehr eng verbunden und konvertierten gemeinsam 1922 in Maria Laach zur katholischen Konfession, die auch später das Schaffen beider stark bestimmte. ( Näheres zum künstlerischen Werk und Werdegang von Berthold Müller-Oerlinghausen bei Wolfgang Henze: Bertold Müller-Oerlinghausen. Das Gesamtwerk. Belser, Stuttgart, Zürich 1990)

Bruno Müller-Oerlinghausen  wurde am 7.März 1936 in Berlin geboren und entstammt der zweiten Ehe mit Emily Müller-Oerlinghausen ( 1901-1992) geb. Sturm. Die Mutter, geboren in Rüdesheim und aufgewachsen in Wiesbaden, kam aus einer liberalen rheinischen Kaufmannsfamilie. Sie zog nach der Scheidung ihrer Eltern zu ihrer Tante, die mit dem Haus-und Dorfarzt Dr. Walter Wiedersheim des kleinen Ortes Kressbronn am Bodensee verheiratet war. Dort begründete sie nach dem Tod ihrer Mutter durch Suizid ein kleines Kinderheim und begann dann später ein erziehungswissenschaftliches Studium in Heidelberg.

Eine Schwester Veronika Müller- Oerlinghausen, Keramikerin, wurde 1938 geboren und lebt in Kressbronn.

Die Eltern von Bruno Müller-Oerlinghausen hielten sich in den dreißiger Jahren neben der Stadtwohnung in Berlin am Lietzensee ein kleines Holzhäuschen in Kressbronn, wo sie den Sommer verbrachten. 1941 erwarben sie dort ein größeres Haus am See gelegen, wo später auch ein geeeignetes Atelier für den Vater errichtet wurde. In diesem Haus hatte auch einer der Kapitäne des Luftschiffes “Hindenburg LZ 129” Ernst Lehmann, gewohnt, der 1937 bei dem Unglück in Lakehurst umgekommen war.

Bedingt durch die für den Vater aufgrund seiner antifaschistischen Einstellung und seiner religiösen Bindung, aber auch durch die Bombenangriffe zunehmend schwieriger werdende Arbeitssituation in Berlin zog die Familie dann endgültig nach Kressbronn, wo Bruno Müller-Oerlinghausen auch eingeschult wurde.  Er wuchs in einem durch die vielen freundschaftlichen Kontakte des Vaters zu anderen Malern/Bildhauern und auch Musikern, die sich, wie z.B. Ernst Heckel, Andrè Ficus oder Otto Dix ebenfalls an den See geflüchtet hatten , um den Nationalsozialisten zu entgehen , in einem sehr freien , kreativen, künstlerischen Milieu und in einer Landschaft auf, die ihn bis heute geprägt hat. Aber auch die Freude an der Liebe Gottes, die der Vater stets und bis an sein Lebensende durch seine ganze Person kommunizierte, hinterließ ihre Spuren und konnte nie vergessen werden.

Sein angeheirateter Vetter war Prof. Gustav Scheck, einer der großen deutschen Flötisten, auch er war mit dem letzten Zug aus Berlin an den Bodensee geflohen und suchte Unterschlupf bei Müller-Oerlinghausen “Schecko” wie ihn die Freunde nannten,  der später die Musikhochschule in Freiburg mit begründete, hatte maßgeblichen Einfluß auf die musikalische Entwicklung von Bruno Müller-Oerlinghausen, der dem magischen Klang der Flöte für immer verfiel und später auch bei ihm zeitweise studieren konnte.

Schule, Universität

Nach dem Besuch der Volksschule in Kressbronn, die zeitweise durch die seinerzeit noch sehr ausgeprägte schwäbisch-hochdeutsche Sprachgrenze durchaus Schwierigkeiten bot, wechselte er auf das humanistische Gymnasium im benachbarten Lindau i.B. In seiner Freizeit beschäftigte er sich intensiv mit Chemie, korrespondierte mit den Chemikern des “€žKosmos”-verlages, hatte sein eigenes kleines Labor eingerichtet, kochte Analysen usw,- und einem glücklichen Geschick ist zu verdanken, dass keine schwere Explosion das Haus zerstörte,- öfters versengte Haare und Augenbrauen waren der Tribut, der gezahlt werden musste.

Auf Anraten eines ebenfalls in Kressbronn lebenden Freundes der Familie Prof. Hellmut Becker ( später Direktor des MPI für Bildungsforschung in Berlin) wechselte er in Obersekunda noch einmal auf das Landerziehungsheim “Birklehof” im Schwarzwald, wo er 1954 mit der Matura abschloß. Das Fach, das er am wenigsten liebte, war Sport ( es war für ihn “žNazi”...) , das, was ihn am meisten langweilte, war Chemie ( er wusste eh schon alles).

An der Universität Göttingen begann er 1954 das Studium der Chemie, das ihn nach 2 Semestern so langweilte, dass er zur Psychologie wechselte, unter der er sich freilich etwas anderes als ihm dort begegnete, vorgestellt hatte. Themen wie Körperbau und Charakter oder Optische Täuschungen interessierten ihn damals nicht sonderlich. Er benutzte aber seine Zeit, um möglichst viele Vorlesungen anderer Art, insbesondere in der Philosophie zu hören.

Herrmann Wein, ein Schüler von Nikolai Hartmann hatte einen nachhaltigen Einfluss auf sein Denken. Zur Medizin konnte er sich zunächst nicht entschließen,- sie erschien ihm  allzu empirisch. Ein Vetter in Basel vermittelte ihm ein Gespräch mit dem Philosophen Karl Jaspers , der ihn davon überzeugte, dass ihm das Medizinstudium  später die geistigen und beruflichen Freiheitsgrade vermitteln würde, die er damals anstrebte. Er begann die Vorklinik noch in Göttingen, wechselte dann nach München, wo er sein Physikum bestand. Die geforderten Krankenpflegedienste leistete er jeweils an einem süddeutschen psychiatrischen Landeskrankenhaus ab.

Die dort gemachten Erfahrungen haben seine spätere berufliche Entwicklung entscheidend beeinflusst. Frankfurt und Freiburg waren die nächsten Stationen; immer wieder begegnete ihm der eine oder andere Hochschullehrer, der ihn als Persönlichkeit zu beeindrucken vermochte.

In Freiburg begann er bei Prof. Derwort an der Psychiatrischen Klinik eine Dissertation über Probleme des Exhibitionismus, die ihn tiefer in die Konzepte der Existenzanalyse , der Ethik von Max Scheler und die Philosophie von Jean Paul Sartre im Zusammenhang mit dem Wesen der Scham eindringen ließ. Die Promotion wurde 1965 abgeschlossen.( Die Dissertationsschrift wurde lange Zeit in der Freiburger Universitätsbibliothek unter Erotica gelistet und nur unter speziellen Bedingungen ausgeliehen.)

Nach seiner Verheiratung mit Renate Müller-Oerlinghausen, geb. Boden, Tochter des Vorstandsvorsitzenden der AEG Dr. HC Boden, die er in Frankfurt näher kennen gelernt hatte, zog das Ehepaar nach Berlin , wo er das Studium 1962 mit dem Staatsexamen abschloß. Nach Ableistung der Medizinalassistenzzeit an Berliner Kliniken ,- die ihn teilweise mit für ihn damals unfassbaren menschlichen Defiziten mancher klinischer Vorgesetzter konfrontierte, erhielt er am 31.12.1964 die ärztliche Approbation.

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Neunzigster Geburtstag von Emily Müller- Oerlinghausen 1991

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Veronika Müller- Oerlinghausen

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Karl Jaspers, Heidelberg/Basel

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Renate Müller- Oerlinghausen geb. Boden

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Jenny Jahns geb. Müller- Oerlinghausen mit Emily, Friederike, David

Enkel Robert Jahns

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Jenny Jahns

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Berthold Müller- Oerlinghausen im Atelier

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Jessica Müller- Oerlinghausen

Kinder von Jens
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Miriam, Sarah, Jonathan Müller- Oerlinghausen

“Spiel mit dem Ball” Elternhaus Garten

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Die junge Generation

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Im Studio

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Dr. Jens Müller- Oerlinghausen mit Tochter Sarah

Bodensee Sturm
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Emiliy Müller- Oerlinghausen mit Veronika