Musik

Musik ist seit meiner Kindheit aus meinem Leben nicht weg zu denken. Deshalb soll sie an dieser Stelle auch repräsentiert sein, soweit dies in Wort und Bild möglich ist.

Meine Mutter spielte recht gut Klavier und begleitete mich viele Jahre ; mein Vater liebte J.S.Bach und Robert Schumann am meisten ( manchmal spielte er selbst am Klavier den “Fröhlichen Landmann”...) und wäre er nicht Bildhauer geworden, hätte es für ihn nur zwei alternative Berufe gegeben: Arzt oder Dirigent. Er hat eindrucksvolle Portraits von Musikern geschaffen: Wilhelm Furtwängler, den er zutiefst verehrte, Igor Strawinsky, den er bei den Donaueschinger Tagen für moderne Musik live erlebte, Robert Oboussier, Gustav Scheck...

Ich lernte in der Volksschulzeit Blockflöte und während eines längeren Krankenlagers fiel mir plötzlich das schnelle vom-Blatt-Spielen zu. Angeregt durch viele Hauskonzerte nach dem Krieg und die Verwandtschaft mit dem großen Flötisten Gustav Scheck wollte ich unbedingt Querflöte lernen. Sie war von Anfang an mein Instrument, während ich es im Klavierspiel nie weit gebracht habe. Ich bin auch früh ans öffentliche Auftreten, an die Bühne, die für mich immer wichtig war, heran geführt worden. Meine erste Lehrerin am Bodensee war eine Schülerin von Kurt Redel (Detmold); sie fokussierte sehr auf einen klaren schönen Ton.  Während der Internatszeit und auch später im Studium in  Göttingen wurde ich von dem Scheck-Schüler Nikolaus Delius, der später auch die Professur für Flöte an der noch von Scheck gegründeten Musikhochschule Freiburg innehatte, unterrichtet und erhielt eine nie verlorene Basis an französischer flötistischer Technik.  Bei Prof.Scheck hatte ich immer wieder Einzelstunden und später in Berlin auch regelmäßigen Unterricht. Ich bin, was meine Auffassung und Spielweise barocker Musik betrifft, deshalb  den Auffassungen  des Scheck-Wenziger Kreises (der lange vor Harnoncourt das Spiel auf historischen Instrumenten entwickelte mit dem unvergessenen Fritz Neumeyer am Cembalo..) und seiner eher spielerischen, spätbarocken Interpretation dieser Literatur immer sehr nahe gewesen, und weniger dem Rigor manch heutiger “werkgerechter”€  Spielweise...

Gustav Scheck war in Deutschland  einer der ersten Vertreter des spezifisch französischen Querflötenspiels , und auch dies ist mir lebenslang Herausforderung  und Vorbild gewesen, wie auch die Freude  an der Interpretation von Werken der klassischen Moderne  wie Hindemith, Genzmer, Honegger, Roussel etc. und natürlich Claude Debussy. Keiner ausser Auréle Nicolet hat die “€žSyrinx”€, das berühmte Solostück von Debussy, so beschwörend und dem Geiste Mallarmés entsprechend interpretiert wie Gustav Scheck,- manchmal sogar wie ein Faun hinter einem Busch verborgen oder im Mondschein am Ufer des Bodensees... Nur selten stand bei ihm die Technik im Vordergrund des Unterrichts, obwohl er sich intensiv mit typischen flötentechnischen Problemen , auf dem Hintergrund auch seines starken Interesses für die menschliche Anatomie, beschäftigte.

Das Flötenspiel ruhte weitgehend während meiner pharmakologischen Zeit in Göttingen und Bangkok. Es nahm wieder Fahrt auf in Berlin mit Hauskonzerten in den 70er Jahren und begann sich dann erfreulich zu intensivieren durch zwei Ereignisse: Ich traf Anfang der 80er Jahre auf eine Lehrerin, Frau Prof. Ellen Töttcher, ehemals Schülerin von Scheck und HP Schmitz. Sie baute meine über die Jahre verschlampte Technik nochmals neu auf, perfektionierte sie und war für Jahrzehnte die Betreuerin (heute sagt man wohl coach) meiner/unserer  sich nun stetig weiter entwickelnden  Konzerttätigkeit, die auch durch Teilnahme an Sommerkursen von Scheck und Nicolet weitere Anregung erfuhr.

Das zweite Ereignis war, daß ein Kirchenmann, der mich hatte spielen hören, mich mit einem hoch begabten Pianisten/Organisten, Rainer Bürgel, zusammen brachte. Bürgel war als Jurist Vizepräsident der Evangelischen Kirche der Union, und eine nie ermattende persönliche Freundschaft und absolute Harmonie in musicis verbindet mich seitdem mit ihm. Wir haben gemeinsam inzwischen ein Repertoire entwickelt, das - dies darf ohne Hochmut gesagt werden - € uns in mancher Hinsicht origineller und abwechslungsreicher erscheint , als das, was man normalerweise und immer wieder in den Konzertsälen angeboten bekommt. Die Anlagen sollen ein paar Beispiel dafür geben. Natürlich musiziert man auch mit vielen anderen im Laufe des musikalischen Lebens, die untenstehende Liste nennt eine Auswahl von ihnen.

Wir haben manche lange schlummernden Schätze, wie etwa die Musik der französischen Komponistinnen Luise Farrenc oder Melanie Bonis zum ersten Mal in Berlin und anderswo interpretiert,- inzwischen spielen sie alle. Wir spielen unbekannte, teilweise nur behelfsmäßig publizierte Musik von Holländern, Schweden usw.  Mit mehreren Mitwirkenden haben wir ein ganzes japanisches Programm gestaltet inkl. Lesung von Haikus, Tanz und Butterfly-Paraphrasen und haben es an mehreren Orten und auch bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Berlin zu Gehör gebracht.

Wir konzertierten an vielen Orten zwischen Berlin und dem Bodensee, der Schweiz und Polen. Über viele Jahre gab uns der “Brandenburgische Dorfkirchensommer” Gelegenheit, Benefizkonzerte zur Erhaltung von Kirchen und Orgeln in vielen schönen Dorfkirchen zu veranstalten. In Ottawa trat ich mit einem Jazz- Klarinette spielenden psychiatrischen Kollegen mit Masken aus einem Londoner Museeum für eine klassische Tanzveranstaltung in der National Festival Hall auf, wirkte aber auch mit bei Choreografien von Claudia Berg im S-Bahn Südgelände in Berlin .

Seit über 20 Jahren spielen wir mit wechselnden Besetzungen auf den jährlichen Sommerkonzerten “Soirée Emily” in Kressbronn am Bodensee.

Auch zusammen mit dem Zehlendorfer Kammerorchester in Berlin gab es solistische Auftritte, z.B. im Rahmen des schönen Flötendoppelkonzertes von Cimarosa.

Ich bin Schirmherr des Mendelssohn-Kammerchor und bin nach wie vor Mitglied der “Singing Shrinks”, eines gemischten Chors, den ich vor vielen Jahren mit begründet habe und der nur aus Psychiatern, Neurologen und Psychologen besteht. Wir proben jeden Montag, haben jährlich viele Auftritte und sind unter unserem jungen Dirigenten Sven Ratzel eher der musikalischen Welt von Jazz, Musical, Operette, Pop und Chanson verpflichtet. Viel bejubelte  Hits unserer letzten Auftritte in 2015/16 waren z.B. ”Nur nicht aus Liebe weinen”€, “€žAngels”, “Viva la Vida”€, “€žHappy”, “Irgendwo auf der Welt” (R. Heymann)€ u.a. 

Ein paar Hörbeispiele sollen das Geschrieben etwas konkretisieren, auch wenn ihre technische Qualität eher bescheiden ist.

Ich bin unendlich dankbar, dass die Musik mich lebendig erhält und mich in die Lage versetzt, anderen Menschen für ein, zwei Stunden Freude und Horizonterweiterung bieten zu können. Sicher wird es in Zukunft quantitative , hoffentlich nicht so sehr qualitative Reduktionen geben, aber auch die Erinnerung an besonders geglückte Produktionen wie etwa die Interpretation des “L’aprés-midi d’un faune”€ von Debussy, gemeinsam mit Richard Raiser  und Matthias Müller-Lentrodt, der  “Undine”€ von Carl Reinecke, der  Flöten-Sonate von Bohuslav Martinu  oder des Klavier-Flöten-Trios von Luise Farrenc  mit Friedrich Boegner und Rainer Bürgel oder eines sommerlichen Konzertabends gemeinsam mit der jungen Sopranistin Veronika Vetter im vergangenen Jahr   tut   gut. 

2016-05-31 (15)

Prof. Gustav Scheck beim Unterricht

Hauskonzert in Berlin in jungen Jahren

Hauskonzert in jungen Jahren

Töttcher

Frau Prof. Ellen Töttcher mit Rainer Bürgel

Warten auf  den Zug

Reise in die Erinnerungen
(Produktion C.Berg 2014)

Liebe-Tod-Vollmond-Tanz (3)

Liebe- Tod- Vollmond....

Intermezzo in einer open-air Choreographie von Claudia Berg 2014
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Auftritt der Singing Shrinks anlässlich der Feier zum achzigsten Geburtages von BMOe im Logenhaus der Berliner Freimaurer 2016

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Reise in die Erinnerungen (C. Berg Choreographie)