Beruflicher Werdegang

Beruflicher Werdegang.

Göttingen
1964-1969  arbeitete Müller-Oerlinghausen als Assistent am Pharmakologischen Institut der Universität Göttingen unter der  Leitung des Heubner-Schülers  Prof. Ludwig Lendle (siehe Kurzbiographie). Er erhielt dort eine breite Kenntnis verschiedenster tierexperimenteller Methoden und beschäftigte  sich in der Arbeitsgruppe von  Prof. Arnold Hasselblatt insbesondere mit den Auswirkung eines Diabetes auf den Medikamentenstoffwechsel, insbesondere die Glucuronidierung.  Dies wurde auch Thema seiner Habilitationsarbeit, deren Korreferent der Diabetologe  Prof. Creutzfeldt war. Die Venia Legendi erhielt er 1969.  Ein Co-Assistent von ihm war zu jener Zeit Ulrich Schwabe, später Pharmakologe in Hannover, Bonn und Heidelberg. Zu ihm bestehen seit jener Zeit enge freundschaftliche Beziehungen und wissenschaftliche Kooperation.

Bangkok
Er verließ danach für zwei Jahre das Göttinger Institut um im Auftrag der Bundesregierung an einem staatlichen Forschungsinstitut in Bangkok sich  der pharmakologischen Untersuchung der traditionellen thailändischen Medizin zu widmen und die Thai-Mitarbeiter in modernen pharmakologischen Methoden auszubilden. Er nahm in dieser Zeit auch Kontakt auf zu dem bekannten phytotherapeutischen Forschungsinstitut in Lucknow (Indien).

Berlin
1971 verließ er endgültig seine pharmakologische Heimat in Göttingen und begann an der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin unter der Leitung  von Prof. Hanfried-Helmchen, mit dem ihn auch gemeinsame medizinethische Interessen verbanden,  eine psychiatrische Weiterbildung, die jedoch nicht bis zum abgeschlossenen Facharzt führte, da er 1975 auf die neu gegründete und in Deutschland erste C3-Professur der FU Berlin  für Klinische Psychopharmakologie berufen wurde. Den Facharzt für Klinische Pharmakologie  hatte er bereits in der Zwischenzeit erhalten. Neben dem Aufbau eines Labors (vergl. Abschnitt TDM) und einer Forschungsgruppe für Klinische Psychopharmakologie übernahm er auch die Lithiumkatamnese der Klinik und baute diese zu einer Forschungsambulanz für depressive Patienten , der Berliner Lithium-Katamnese aus. Er verwirklichte damit ein spezielles WHO-Modell Klinischer Pharmakologie, in dem der Pharmakologe nicht eigene Betten in der Klinik besitzt, jedoch eine Spezialambulanz leitet. Bis zu seiner Emeritierung unterrichtete er abgesehen von einigen Sabbaticals im Ausland ( Kanada und Thailand) regelmäßig das gesamte Gebiet der Pharmakotherapie . Dabei kam ihm zu Nutzen, dass er seit 1981 in den Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft berufen worden war , zu deren Vorsitzender er dreimal zwischen 1994 und 2006 von den Mitgliedern gewählt wurde.

Forschung
Seine Forschung zur Wirkungsweise und Pharmakokinetik insbesondere von Antidepressiva und Lithiumsalzen reflektiert sich in verschiedenen deutsch-und englischsprachigen Büchern sowie in über 600 Zeitschriftenartikeln und zahlreichen Buchbeiträgen. Seine  wichtigste und nachhaltigste wissenschaftliche Leistung war  vermutlich - gleichzeitig mit Werner  Felber in Dresden und gemeinsam mit Bernd Ahrens - die Entdeckung des antisuizidalen Effekts von Lithiumsalzen, die ihn bis heute in vielen  großen  Studien beschäftigt hat . Deren  Realisierung wurde möglich durch die  Gründung der International Group for the Study of Lithium Treated Patients (IGSLI) gemeinsam mit Mogens Schou, Dänemark, und Paul Grof, Kanada. Gemeinsam mit Dipl. Psych. Dr. Detlef Kropf und Prof. G. Ulrich untersuchte er insbesondere die psychischen und neurophysiologischen Wirkmechanismen der Lithiumtherapie,- dies wurde auch das Habilitationsthema von Dr. Kropf.

Seit 1998 widmet er sich wissenschaftlich einer Form der komplementären Medizin indem er die von ihm und Claudia  Berg entwickelte  “Slow Stroke Massage” auf ihre antidepressive  Wirksamkeit untersucht und ihre Wirkungsmechanismen analysiert. (Psychoaktive Massagen)

Andere Themenbereiche , denen sein spezielles Interesse galt, das sich z.B. in Dissertationen und anderen Publikationen reflektierte, waren medikamenten- induzierte psychiatrische oder auch sexuelle Störungen. In den letzten Jahren galt sein kritisches Interesse  den neuen oralen Antikoagulanzie (NOAK), deren  aus seiner Sicht fragwürdige Nutzen-Schaden-Bilanz und  Vermarktung er insbesondere gemeinsam mit Roland Holtz untersuchte. 

Studentischer Unterricht

Bis zu seiner Emeritierung unterrichtete er abgesehen von einigen Sabbaticals im Ausland ( Kanada und Thailand) regelmässig das gesamte Gebiet der Pharmakotherapie , in dem er auch als Prüfer im Staatsexamen tätig war. Er betrieb den Unterricht als interaktiven Intensivkurs in Gruppen von maximal 30 Studierenden. Er wurde dabei unterstützt durch studentische Tutoren, zu denen u.a. auch die seinerzeitige Studentin Ursula Köberle gehörte, die später Fachärztin für Psychiatrie wurde und heute als Referentin in der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft tätig ist. Noch heute begegnen ihm immer wieder ehemalige Studierende, die behaupten, dass sie in seinem “Pharma-Kurs”  erstmals und für ihr ganzes Leben verstanden haben, was rationale Arzneitherapie  eigentlich ist.  Für die Berliner Ärztekammer nahm er an den Facharztprüfungen im Gebiet €žKlinische Pharmakologie teil. Müller-Oerlinghausen unterrichtet auch regelmäßig an der Charité im Seminar “Advert Retard”  , in dem basierend auf einem Manual der WHO Studierende lernen, welchen Manipulationen und Werbestrategien der pharmazeutischen Industrie sie später in ihrem Berufsleben ausgesetzt sein werden und wie sie sich dagegen schützen können.

Weitere Aktivitäten

Seit 1995 leitete er die  B3 Kommission zur Aufarbeitung des Alt- Arzneimittelbestands im Bereich Psychiatrie, Neurologie und Schmerztherapie am seinerzeitigen Bundesgesundheitsamt.

1981 wurde er in den Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft berufen, deren Vorsitzender er von 1994 bis 2006 war. ( s.u. unter Medizin )

1988 gründete er zusammen mit zwei Kollegen aus Dänemark und Kanada eine internationale Lithiumforschungsgruppe IGSLI, die heute unter dem Vorsitz seines früheren Mitarbeiters Prof. M.Bauer in der Lithiumforschung tätig ist.

Über viele Jahre war er Schriftleiter der Zeitschrift ”€žPharmacopsychiatry” und gehörte den Editorial Boards verschiedener anderer wissenschaftlicher Zeitschriften an.

Er war Mitglied und teilweise in leitender und beratender s Position tätig in verschiedenen nationalen und internationalen psychopharmakologischen Wissenschaftsorganisationen

Seit  2012 ist er ständiges Mitglied der Redaktion der unabhängigen Laienzeitschrift “GutePillenSchlechtePillen”.

Für den Expertenbeirat Arzneimittel der Stiftung Warentest ist er seit vielen Jahren aktiv.

Er ist ferner Mitglied der pharmakritischen Organisation MEZIS ( Mein Essen zahl ich selbst), die er mit gegründet hat.

Destination and Serendipity in the career of a clinical Pschopharmcologist

Budapest 1990

 

Göttingen_Hasselblad

Göttingen
 Prof. Dr. Arnold Hasselblatt

Göttingen mit TA

BMOe mit MTA. Karin Müller

Göttingen Betriebsfeier

Göttingen Labor- Betriebsfeier 1966

2016-05-24 (6)

Göttingen/Bangok  MTA Ingrid Füllgrabe

Bankock_Dr. Mongkol Mokasamit

Bangkok 1970, BMOe mit Dr. Mongkul

2016-05-11 (4)

Psychiatrische Klinik FU Berlin, 1977

Vor der Klinik

Psychiatrische Klinik der FU Berlin. Vorderste Reihe: ganz re.:
Prof.Dr.H.Helmchen; 2.von li: Prof.Dr.A.Pietzcker. ( verstorben 2016 )
Neunziger Jahre

Ingeborg Balke Sekrtärin

Ingeborg Balke, langjährige Sekretärin von BMOe

GSPS_Team mit BMOE

Die Redaktion von “Gute Pillen Schlechte Pillen” 2014
v.li.n.re.: Dr. Elke Brüser, Dr. Christian Wagner-Ahlfs, Jörg Schaaber, Heike Plank, BMOe, Dr. Dr. R.Bornemann, Dr. Dietrich v. Herrath,
Auf diesem Foto fehlend: Prof. Dr. Bernd Mühlbauern (Copyright R. Brinkmann)